Verhaltensbeurteilung im Arbeitszeugnis


Inhaltlicher Aufbau der Verhaltensbeurteilung

Die Verhaltensbeurteilung ist neben der Tätigkeitsbeschreibung und Leistungsbeurteilung eine der wichtigsten Komponenten im qualifizierten Arbeitszeugnis. Mit ihr drückt der Arbeitgeber aus, ob das persönliche Verhalten des Arbeitnehmers während des Beschäftigungsverhältnisses einwandfrei war oder nicht. Entscheidend ist, dass alle Personengruppen genannt werden, mit denen der Arbeitnehmer regelmäßigen Kontakt hatte. Fehlt eine Personengruppe, handelt es sich um die sogenannte "Leerstellentechnik", deren Einsatz in der Regel negativ gedeutet wird. Weiterhin spielt die Reihenfolge eine große Rolle, da immer zuerst die Vorgesetzten genannt werden sollten. Anschließend die Kollegen (direkte Zusammenarbeit) und Mitarbeiter (indirekte Zusammenarbeit) und darauf folgend Dritte (Kunden, Lieferanten, Geschäftspartner etc.), sofern dies zutrifft. Gibt es Abweichungen davon, kam wahrscheinlich die "Reihenfolgetechnik" zum Einsatz. Auch diese wird zumeist negativ gewertet. Hat der Arbeitnehmer vielfältige Kontakte innerhalb des Unternehmens (z.B. aufgrund einer Rolle mit Querschnittsfunktion), sollte darauf in der Verhaltensbeurteilung besonders eingegangen werden.

Formulierungstechnik

Ebenso wie bei der Leistungsbeurteilung werden bei der Verhaltensbeurteilung keine offenkundig negativen Formulierungen verwendet. Anstelle dieser werden in der Zeugnissprache häufig abgestufte positive Formulierungen (auch "Positiv-Skala-Technik" genannt) eingesetzt. Gute Beurteilungen enthalten somit Begriffe wie "immer", "stets", "jederzeit" oder "in jeder Hinsicht" kombiniert mit einem positiv besetzten Wort. Soll eine eher schlechte Beurteilung formuliert werden, kommen einschränkende Begriffe wie "im Großen und Ganzen", "im Wesentlichen" oder "größtenteils" zum Einsatz. Nachfolgend einige gängige Formulierungen und ihre zugehörige Schulnote.

Abgestufte positive Formulierungen in der Verhaltensbeurteilung

Beurteilung/Schulnote Formulierung
sehr gut (1) Ihr persönliches Verhalten war jederzeit einwandfrei und vorbildlich. Bei Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern war sie außerordentlich geschätzt.
Sein kollegiales und ausgleichendes Wesen sicherte ihm immer ein sehr gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen.
gut (2) Er wurde von Vorgesetzten, Kollegen und Lieferanten als freundlicher und fleißiger Mitarbeiter sehr geschätzt.
Das Verhalten von Frau Mustermann gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war lobenswert. Wegen ihres Fachwissens und ihrer Hilfsbereitschaft übertrugen wir ihr regelmäßig die Einarbeitung neuer Mitarbeiter.
befriedigend (3) Sein Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war gut.
(Falsche Reihenfolge und kein "stets" oder "jederzeit")
Sie wurde von Vorgesetzten, Kunden und Kollegen als freundliche Mitarbeiterin geschätzt.
(Falsche Reihenfolge bei Kunden/Kollegen und kein "immer" oder "stets")
ausreichend (4) Ihr Verhalten gegenüber den Vorgesetzten war einwandfrei.
(Kollegen und Mitarbeiter fehlen)
Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen gab zu keinen Klagen Anlass.
(Negativ besetztes Wort "Klagen" und kein "immer" oder "jederzeit")
mangelhaft (5) Das persönliche Verhalten von Herrn Mustermann war größtenteils einwandfrei.
(Keine Nennung von Vorgesetzten, Kollegen und Dritten sowie Einschränkung durch "größtenteils")
Ihr Auftreten war ordnungsgemäß. Unsere Kunden haben sich zumeist sehr zufrieden geäußert.
(Wenig positives Wort "ordnungsgemäß", kein "stets" oder "immer", keine Erwähnung der Vorgesetzten und Kollegen sowie einschränkendes "zumeist")
ungenügend (6) Sie war bemüht mit ihren Kollegen auszukommen.
(Sehr starke Einschränkung durch "bemüht", keine Nennung der Vorgesetzten und kein positiv besetztes Wort)
Das Verhalten gegenüber Vorgesetzten war nicht zu tadeln. Mit seinen Kollegen hat er sich tatkräftig auseinandergesetzt.
(Negativ besetztes Wort "tadeln", kein "stets" oder "jederzeit" sowie offensichtliche "Handgreiflichkeiten" mit den Kollegen)

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